Posaunenarbeit der Evang.-Luth. Kirche in Norddeutschland

Posaunenwerk Mecklenburg-Vorpommern

News

 Das Jahresprogramm 2017 zum Download.

Die Rundbriefe  finden Sie hier als pdf-Dateien.

 

 

 

Termine

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels!
Denn er hat besucht und erlöst sein Volk.
Lukas 1, 68


Donnerstag abend. Es klingelt das Telefon. Leichtes Zögern. „Hat das nicht
Zeit bis morgen früh?“ frage ich noch, da ist meine Frau schon am Hörer.
Ich höre ja nur die eine Hälfte des Gespräches, aber schon die lässt mich
aufhorchen: „Heute noch?“ ...“Jetzt gleich??“ ....“Wie viele? 28???“ ... „Ja!
Wir können es ja versuchen. ...
Obwohl damit zu rechnen war, dass eine solche Anfrage kommt, trifft sie
uns unvorbereitet: Ein Bus mit Flüchtlingen aus Syrien hat nun auch unser
beschauliches Städtchen erreicht. Die Gästewohnung wird schnell vorbereitet, Betten und Matratzen zusammengesucht, Geschirr für einen kleinen
Willkommensimbiss bereitgestellt, der Einkaufzettel schnell geschrieben –
die Geschäfte haben nur noch eine halbe Stunde geöffnet... In Gedanken
gehe ich durch, wer aus der Gemeinde gerade erreichbar ist, wer noch
helfen kann.
Meine Gedanken gehen weiter: eine kleine Melodie macht sich in mir breit:
Schon in meiner Kindheit habe ich selbst sie gesungen – als herzloser Wirt,
mit einer echten Stalllaterne in der Hand hinter einer Tür wartend um Maria
und Josef weiterzuschicken zum nächsten: „Leider, leider ,leider! Alles voll
bis unters Dach, geht nur weiter, geht nur weiter, schaut im anderen Gasthaus nach!“
Die Flüchtlinge haben dann doch noch eine erste Bleibe in anderen Räumen
gefunden, aber der Stachel sitzt seitdem in mir: Geben wir Raum in unserer
Herberge, in unserm Land, unserm Haus, unserm Leben – Menschen, die
diesen Raum, diese Hilfe brauchen?
„Was Du einem meiner geringsten Bruder getan hast, das hast du mir getan“ lese ich. Und höre es als das, was es ist: Bin ich, sind wir bereit, Gott
zu empfangen? Nicht nur mit Weihnachtsbaum, Festtagesbraten und wohlbedachten Geschenken, nicht nur mit wohl vertrauten Liedern und Chorä-
len, die wir Bläser drauf haben.Haben wir die offenen Türen, von denen wir
wieder singen, die offenen Herzen, um auch gegen Widerstände anderer
und eigene Ängste Gott zu empfangen?
„Gott hat besucht und erlöst sein Volk“! Aus der Erstarrung und den engen,
weil geängstigten Herzen führt er uns, zeigt uns seinen Weg mit ihm. Er
sucht uns – und lässt sich finden: Nicht in den Palästen der Mächtigen, den
Häusern der Reichen. Es ist ein eher
„runtergekommener“ Gott, ärmlich und
hilfsbedürftig, ein Kind im Viehstall. Und
er bleibt schutzsuchend. Wenig später
ist die Familie Jesu – so berichtet es
der Evangelist Matthäus – auf der Flucht
vor denen, die aus Sorge um ihre Macht
über Leichen gehen. Dieser Gott bleibt
ein Leben lang „Flüchtling“ – einer, der
nicht ganz im hier und jetzt anzukommen scheint und der doch gerade durch seine Gegenwart in dieser Welt
neue Wirklichkeiten schafft.


Andreas Kunert, Landesobmann